MS BLEICHEN - Museumsschiff im Hamburger Hafen

Stückgutfrachter wie die BLEICHEN prägten das Bild des Hamburger Hafens vor der Zeit der Containerriesen. Auch an den 50er Kaischuppen machten regelmäßig solche Schiffe fest. Die MS BLEICHEN selbst wurde 1958 auf der Nobiskrug-Werft in Rendsburg für die Hamburger Reederei H. M. Gehrckens (H.M.G.) gebaut. Alle Schiffe dieser traditionsreichen Firma trugen die Namen althamburgischer Straßen. Angestammtes Fahrtgebiet der Gehrckens-Flotte war die Ostsee.

Für die notwendigen Fahrten im Winter wurde der Rumpf der BLEICHEN extrastark gebaut, und das Schiff erhielt die höchste finnische Eisklasse. Es transportierte regelmäßig Stückgut nach Schweden und Finnland. Die Rückladung nach Hamburg bestand aus Zeitungspapier in Rollen, bestimmt für den Springer-Konzern, und Schnittholz als Decklast. Eine Rundreise dauerte damals 14 Tage.

War das Anlaufen der Häfen im Norden unmöglich, beorderte Gehrckens seine Schiffe nach Westafrika. Von dort brachte die BLEICHEN zum Beispiel Tropenholz („Logs“), Kakaobohnen oder Erdnüsse zurück nach Hamburg.

Nach 12 Jahren Betrieb war die BLEICHEN für die Reederei unrentabel geworden und wurde an einen italienischen Eigner verkauft, der das Schiff in CANAL GRANDE umbenannte. 1979 erwarb ein türkischer Reeder den Frachter und setzte ihn - zuletzt unter dem Namen OLD LADY - im Mittelmeer und im Schwarzen Meer ein, wo es vor allem Schrott transportierte.

Als einzigartiges, original erhaltenes Zeugnis der maritimen Geschichte rettete die Stiftung Hamburg Maritim die BLEICHEN vor der Abwrackwerft. Im Januar 2007 holte sie das Schiff nach Hamburg, um es hier als fahrbereites Museumsschiff zu restaurieren und zu erhalten.